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Fluchten
Auf dem Brachland hinter dem Bahnhof von Sète sah ich einen Hund. Für einen Hund hielt später ein Mann auch meinen Rucksack, entsetzt zog er sein Kind weg. Wir klärten das Missverständnis dann aber. Es war dunkel, ich stand mitten in der Menge am Fluss, auf dem eine Art Turnier stattfand: Ruderboote hielten aufeinander zu, immer einer stand auf einer Art Podest, von dem er gestossen werden musste. Für diesen löblichen Brauch gibt es sicher einen Namen, aber ich habe ihn vergessen.
Das ist schon lange her, ich zog allein in Frankreich umher. (das reimt sich ziemlich ungeschickt). In Sète wollte ich nur eines: Paul Valérys Grab sehen. Ich dachte: das ist nun wirklich eine Pilgerreise. Es kam mir dabei immer jemand in die Quere, der hiess Georges Brassens. Drückend heiss war es, die Sonne brannte, wie man so sagt, ungebeten. Ich sass am Meer, direkt an einer Strasse, und hielt meine schwarzen Hosen für ein unlösbares Problem. Also zog ich mich wieder in den Schatten zurück, bestellte Eistee und wartete bis Wind kam, der einen grossen Sonnenschirm auf die Bistrot-Tischchen krachen liess. Dann ging ich zum Friedhof hinauf. Ich fand aber das Grab nicht. Die Pinien und der Blick auf das Meer waren ergreifend. Ich dachte, ich wäre allein, aber plötzlich hielten mich drei Afrikaner in perfekt sitzenden Anzügen an, die mich fragten, wo Valérys Grab liege. Ich sagte, ich hätte das gleiche Problem, und wir suchten gemeinsam weiter. Schlussendlich wurden wir fündig, ein Stein mit unscheinbarer Schrift, ich glaube, am Anfang einer kleinen Treppe. Wir stellten uns im Halbkreis auf, die drei begannen im Chor den «Cimetière marin» zu rezitieren; ich schämte mich furchtbar, dass ich das nicht auswendig konnte: ich ging sofort zum Bahnhof und fuhr in die Bretagne.